Die Emmentaler Kreislaufwirtschafts-Pioniere machen Farbe
Vor drei Jahren erhielten wir von unserem Farblieferanten die Meldung, dass sie aus dem Geschäft aussteigen. Das war natürlich ein Schock und eine Herausforderung zugleich. Zuerst haben wir gemeinsam mit ihnen versucht, einen neuen Farbenhersteller zu finden, der das Geschäft übernimmt – leider ohne Erfolg. Also entschieden wir uns, die Rezeptur selbst zu kaufen, neu zu produzieren und zu vertreiben.
Für den gesamten Übernahmeprozess gründeten wir eine eigene Firma namens Future4Print AG. Gleichzeitig mussten wir die Rezeptur neu zertifizieren lassen – und dies unter neuen, strengen Norm 4.0 von Cradle to Cradle Certified®. Dabei eigneten sich zwei Bestandteile der Rezeptur für eine erneute Zertifizierung nicht mehr. Und für weitere zwei Bestandteile wurden uns die nötigen Informationen von den Lieferanten nicht mehr ausgehändigt.Das heisst, wir mussten diese in der Rezeptur austauschen und neu austesten.
Der gesamte Prozess dauerte 19 Monate – die Zertifizierung auf Stufe GOLD erhielten wir im August 2024 – GOLD bedeutet, dass alle Inhaltsstoffe unbedenklich und sicher für die biologischen Kreisläufe sind. Mit der ersten Produktion testeten wir die Farbe in kleinen Mengen – und durften feststellen, «Emerald» genau so gut funktioniert wie die einstige Vorgängerversion.
Aktuell produzieren wir eine Menge von einer Tonne Farbe noch immer in Form einer Testmenge, weil wir sie einem Langzeittest unterziehen wollen. Sobald wir die für uns wichtigsten Erkenntnisse haben und das Ergebnis positiv ausfällt, werden wir die Produktion und den Vertrieb ausrollen. Wieso aber haben wir diesen Aufwand betrieben und uns nicht einfach auf eine alternative Farbvariante beschränkt?
«Die Zertifizierung GOLD bedeutet, dass alle Inhaltsstoffe unbedenklich und sicher sind.»
Vor allem, weil es zahlreiche Gründe gibt, die für «Emerald» sprechen. Einerseits gilt sie aus Sicht der Bestandteile als die gesündeste Farbe auf dem Markt. Im Vergleich zu anderen lebensmittelechten Farben trocknet sie aber selbst. Denn: Andere Farben verwenden Trockenstoffe, die für eine lebensmittelechte Farbe nicht verwendet werden dürfen. Der Verzicht auf diese Trockenstoffe bedeutet aber in diesen Fällen offenbar, dass die Farbe nicht mehr trocknet. Bei «Emerald» ist dies nicht der Fall, weil die Trocknung auf einem anderen Konzept beruht.
Kommt hinzu, dass die Farbe technisch sehr leistungsstark ist und sehr schnell in Farbe kommt. Neben dem Trocknungsprozess ist sie sehr stabil und kommt konsistent in Tönen zum Tragen. Ausserdem schont «Emerald» die Farbwalzen und ist gesund für die an der Maschine arbeitenden Druckfachleute.
«Emerald» funktioniert in der Verarbeitung besser als jede herkömmliche Farbe. Aus rein technischer Sicht sind keine Anpassungen am System notwendig. Will heissen, dass jede Druckerei von heute auf morgen darauf umstellen kann. Dies ist umso wichtiger, weil die Druckerei sofort weiterproduzieren muss. Das ist ein entscheidendes Argument; eine ökologische Transformation kann nur erfolgreich sein, wenn die Funktionsfähigkeit und die Qualität gewährleistet sind und eine Umstellung keine zusätzlichen Kosten bedeutet.
Unser Fazit: «Emerald» stellt für uns die zukunftsfähigste Farbmischung dar. Wir wissen, welche Stoffe in der Farbe beinhaltet sind und können unseren Kunden versichern, dass wir ein enkeltaugliches Produkt produzieren und einsetzen.
Für uns ist ausserdem klar, dass «Emerald» nicht nur in der Schweiz vertrieben, sondern künftig auch in ganz Europa eingesetzt werden soll – hier sind wir zurzeit daran, den Markt aufzubauen.
«Ökologische Umstellungen müssen einwandfrei und ohne Zeitverlust funktionieren.»
Learnings
Vorbildliches Unternehmertum bedeutet, ökologische Visionen konsequent bis zur «Königsdisziplin» der Kreislaufwirtschaft (Cradle to Cradle) weiterzuentwickeln, statt sich mit blosser Schadensbegrenzung zufriedenzugeben. Durch radikale Umstellung auf schadstofffreie, biologisch abbaubare Materialien und erneuerbare Energien entsteht ein Alleinstellungsmerkmal, das neue Märkte erschliesst und echten Mehrwert bietet. Das Konzept basiert dabei auf einer engen Kooperation mit Lieferanten und dem Mut, Produkte so zu gestalten, dass sie am Ende ihres Lebenszyklus restlos als Nährstoffe in die Natur zurückkehren.